Feb 25 2015

Leserbrief zum Thema Grundschulen in Ennigerloh

Geschrieben von at 08:21 unter Arbeitskreis Dorfentwicklung

Der folgende privat von den Vorstandsmitgliedern  des Arbeitskreis Dorfentwicklung, Karl Bushuven und Theo Tollkötter für die Tagespresse verfasste Leserbrief zur geplanten Schließung der Grundschulen in Ostenfelde, Westkirchen und Enniger wird wegen seiner Länge nur in verkürzter Form in der Tageszeitung abgedruckt.

 

Wer will uns die Dorfschulen klauen?

Das „Dorf“ Ennigerloh erhielt durch die Eingemeindung drei weiterer Dörfer nach der kommunalen Neugliederung Stadtrechte. Wegen fehlender Identifikation mit der neuen Stadt redeten Politiker oft vom Zusammenwachsen. Sie beschworen eine neue Gemeinschaft auf gleicher Augenhöhe.

Aus Sicht einiger Ratsmitglieder scheint die heute nicht mehr wichtig – nach ihrer Auffassung sind Kosten für die drei Dörfer allenfalls abzuwerfender Ballast im Sinne eines gelingenden Haushaltssicherungskonzeptes. Wohl anders kann man sich kaum erklären, dass sie den Schlüssel in Enniger, Westkirchen und Ostenfelde nun endgültig umdrehen wollen.

Dorfschulen schließen, diese Kosten sparen, und sich ganz nebenbei der Unterhaltungskosten von drei Turnhallen -weil für den Schulsport nicht mehr nötig- entledigen ist ihre Devise, Pech für die Sportvereine.

So muss man nicht an Tabus kratzen, denn das hätte großen Ärger zur Folge. Es fehlt ihnen der Mut Themen wie Brenne, VHS, Bäder, Feuerwehr, Sportgala, Kunstrasenplätze, sinnlose Events wie Schützentage und weitere anzufassen. Sie bringen schließlich die jeweilige Lobby in Höchstform bei der Interessenverteidigung.

Doch hier liegt der Fall anders: es ist zwischen „schön zu haben“ und „lebensnotwendig“ zu unterscheiden. Uns in den Dörfern geht es mit der geplanten Maßnahme endgültig an den Kragen. Dorfschulen sind nicht allein der Schule wegen lebensnotwendig, das geht weit über „kurze Wege für kurze Beine“ hinaus.

Dorfschulen sind die Quelle für die Zukunft eines Dorfes schlechthin. Wir haben noch die Appelle der Kommunalpolitiker im Ohr: „Nehmt teil am Wettbewerb unser Dorf hat Zukunft – stärkt Eure Infrastruktur, ganz besonders Kindergärten und Schulen. Sie sind Eure Zukunft.“ Nun stellt sich die Wahrheit heraus. Es scheint wohl nur reine Anbiederung mit Blick auf zukünftige Wahlen gewesen zu sein.

Fakt ist: ohne Dorfschule gibt es bald auch keinen Kindergarten mehr, denn der Zuzug junger Familien bleibt aus. Hausbau oder-kauf im toten Dorf kommt in der Lebensplanung unserer jungen Dorfbewohner, die wohl in einem attraktiven Dorf bleiben würden, nicht mehr vor. Bisher zufriedene Familien mit Kindern wenden sich ab. Sie ziehen dahin, wo alles geboten wird. Die dörfliche Infrastruktur – und damit ein wichtiger Teil unserer Lebensqualität- geht langsam aber sicher sukzessiv zugrunde.

Das beginnt beim Lebensmittel- und Textilgeschäft, geht über Kneipe, das heute blühende Vereinsleben bis zum Arzt und zur Apotheke. Geschäftsleute müssen wegen fehlender Nachfrage schließen. Neue Ärzte für die verbliebenen Alten werden nicht gefunden. Bald danach schließt auch die Apotheke – ein Teufelskreis.

Nach Ennigerloh Mitte hat sich kaum eine aus den eingemeindeten Dörfern weggezogene Familie verirrt, und da ist nicht von einer Änderung auszugehen. Der Trugschluss „das trifft Ennigerloh nicht“ wird sich verheerend auswirken. Weniger Einwohner, ob in der Stadtmitte oder den Dörfern, lassen die umzuverteilenden Kosten für Alle explodieren während das verlorengegangene Potential die Zuschüsse von Bund und Land sinken lassen.

Spätestens dann kommen auch zusätzliche Kosten für die Folgen dieser Fehlentscheidung zum Tragen. Zum Beispiel Busse für Menschen, die nicht mehr selber zum Lebensmittelmarkt und andere Versorgungseinrichtungen fahren können. Bezahlte Helfer aus Mangel an ehrenamtlich Engagierten in den Dörfern.

Bisher glaubten wir, Volksvertreter gewählt zu haben, denen die Interessen unserer Dörfer am Herzen liegen. Wir sind gespannt auf den Stellenwert, den uns Politiker und Fraktionen zukünftig tatsächlich einräumen, also Farbe bekennen für Ratsmitglieder und Bürgermeister: wer nicht dagegen stimmt, ist für Dorfschulschließung.

 

 

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