Feb 27 2015

„FINGER WEG“ von unseren Grundschulen!

Geschrieben von at 19:41 unter Aktuell,Arbeitskreis Dorfentwicklung

Die Arbeitskreise und Grundschul-Fördervereine der Ennigerloher Ortsteile, Enniger, Ostenfelde und Westkirchen

 

Sehr geehrte/r
Frau Astrid Birkahn, Herr Reinhold Sendker, Herr Berthold Lülf,
Ratsfrauen und Ratsherren des Rates der Stadt Ennigerloh,
Damen und Herren der Verwaltung der Stadt Ennigerloh,
 
in der vergangenen Woche haben sich die Vertreter der Arbeitskreise der Ennigerloher Ortsteile Enniger, Ostenfelde und Westkirchen gemeinsam mit den Delegationen der Fördervereine der Grundschulstandorte zu einem Meinungsaustausch getroffen, um die Vorschläge der Verwaltung zum Haushaltssicherungskonzept der Stadt Ennigerloh zu diskutieren. Auf Initiative des Arbeitskreis Dorfentwicklung Ostenfelde hin benötigte dieses Treffen lediglich drei Tage Vorlauf von einer ersten Kontaktaufnahme bis zur Durchführung der Sitzung. Dies allein ist deutlicher Beleg für die Einschätzung der aktuellen Diskussionen im Rahmen der Haushaltsplanberatungen der Stadt Ennigerloh und die besondere Dringlichkeit, die sich aus Sicht der Ortsteile Ennigerlohs hieraus ergibt. Schnell wurde klar, dass die Einschätzungen des Konzeptentwurfes in allen Ortsteilen sehr einheitlich sind und die aus dessen Umsetzung resultierenden Schritte katastrophale Auswirkungen auf die Ortsteile haben würden.
 
Die Versammlung verständigt sich auf drei Punkte, die wir Ihnen gerne vorab nennen möchten:
1. Formulierung eines Positionspapiers, welches die Einschätzungen der Bürger unserer Ortsteile wiedergeben soll. Dieses Positionspapier ist nachfolgend abgedruckt.
2. Wir werden am 05. März mit Vertretern aller Ortsteile zur Ausschusssitzung erscheinen und unsere Bedenken äußern.
3. Es wird eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Grundschulstandorte in den Ortsteilen durchgeführt. Die Übergabe soll im Rahmen der Ratssitzung am 23. März erfolgen.
 
Positionspapier
Die Vertreter der Ortsteile verurteilen den Vorstoß des Bürgermeisters und der Verwaltung, aus finanzpolitischen Erwägungen heraus die Grundschulen in den Ortsteilen zum Ende des Schuljahres 2022/2023 schließen zu wollen auf das Schärfste. Es ist aus unserer Sicht völlig unverständlich und nicht hinnehmbar, dass die Verwaltung hier den Untergang der Ortsteile der Stadt Ennigerloh manifestieren will. Wer den Entwurf zum Haushalssicherungskonzept aufmerksam liest, erkennt, dass hier mit der Zukunftsfähigkeit der Ortsteile gespielt wird. Dies ist offensichtlich nicht nur die Einschätzung der Ortsteilbewohner, sondern ebenfalls die der Verfasser. Zitat:
… Neben einem intakten Vereinsleben, einer gesicherten Lebensmittelversorgung und einer auskömmlichen und finanzierbaren Wohn- und Gewerbeflächenbereitstellung ist eine lebendige Bildungsinfrastruktur ein wesentlicher Baustein für die Zukunftsfähigkeit kleinerer Ortslagen. Junge Menschen sind dabei das Rückgrat der zukünftigen Entwicklung. Junge Familien werden ihren Wohnsitz jedoch selbst bei Erfüllung der anderen maßgeblichen Kriterien (Vereinsleben, Lebensmittelversorgung, etc.) nur zögerlich in den Ortsteilen nehmen, wenn sie ihre Kinder nicht vor Ort beschult wissen.
Es besteht insoweit die Sorge, dass mit der Schließung der Grundschulen auch ein Niedergang in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens einhergeht. …
Eigentlich ist damit bereits alles gesagt, denn genau diesen Niedergang würde die Stadt Ennigerloh mit der Verabschiedung des geplanten Entwurfes billigend in Kauf nehmen. Würde diese Formulierung so beibehalten, würde man sich in acht Jahren auf eben diese Formulierung im Haushaltssicherungskonzept beziehen und die Umsetzung wäre schnell gemacht.
 
Wenn man den Entwurf aufmerksam weiter liest, wirft er zusätzliche Fragen auf. Was ist damit gemeint, wenn dort steht, der Rat wolle „… zwecks Gewährleistung eines auch langfristig hohen Bildungsniveaus im Primarbereich die Schließung der Grundschulstandorte Enniger, Ostenfelde und Westkirchen zum Schuljahr 2023 / 2024 …“ beschließen? Warum in der geplanten Schließung von Grundschulstandorten die Gewährleistung eines hohen Bildungsniveaus begründet liegen soll, entzieht sich unserem Verständnis. Die bisherigen behutsamen Anpassungen mit der Bildung von Teilstandorten sind aus Sicht der Betroffenen jedenfalls deutlich besser geeignet, das Bildungsniveau im Primarstufenbereich für zukünftige Generationen sicher zu stellen. In enger Absprache mit den starken Fördervereinen in den Ortsteilen lassen sich sicher noch weitere Synergien erreichen. Hier wäre es wünschenswert, wenn die Verwaltung anstelle des Rotstiftes den Telefonhörer zur Hand nähme und zu einem „Runden Tisch“ einladen würde.
 
Es ist noch kein halbes Jahr her, da haben die Ortsteile – wie bereits in vielen Durchgängen in der Vergangenheit – am Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ teilgenommen. Die Teilnahmen sind getragen von einem immensen zeitlichen, personellen und logistischen Aufwand. Dennoch finden sich immer wieder Vereine, Gruppen und engagierte Bürger, die sich für ihren Ortsteil stark machen. Es ist keine Frage – aus unserer Sicht ist das Leben in den Ortsteilen lebenswert, wir wohnen gerne hier. Wir haben ein intaktes Vereinsleben, die Infrastruktur ist dank zahlreicher Bemühungen insgesamt als vergleichsweise gut zu bezeichnen und für alle weiteren Aufgaben finden sich immer wieder Ehrenamtliche, die in den Ortsteilen eben auch jene Aufgaben übernehmen, die in der Kernstadt nur durch öffentliche Angestellte oder die Vergabe an externe Dienstleister realisiert werden können.
Genau diese intakten Strukturen gilt es zu erhalten. Sollten die Grundschulen geschlossen werden, ist es völlig untertrieben zu behaupten, dass „… Junge Familien ihren Wohnsitz nur zögerlich in den Ortsteilen nehmen, wenn sie ihre Kinder nicht vor Ort beschult wissen.
Keine Familie käme mehr auf die Idee, ihren Wohnsitz in einem Ortsteil zu wählen in dem mit der Schließung der Grundschulen der Niedergang des gesellschaftlichen Zusammenlebens eingeläutet worden ist. Ob diese ansiedlungswilligen Familien auf der Suche nach dörflichem Miteinander dann aber die Kernstadt Ennigerloh zu ihrem Wohnsitz auswählen werden, erscheint zumindest fraglich. Den Charme, den die Ortsteile jeder auf seine Weise versprühen, finden wir in der Kernstadt nur bedingt. So lassen auch weder der Bürgermeister noch die Vertreter der Politik und der Verwaltung kaum eine Gelegenheit aus, das ehrenamtliche und gesellschaftliche Zusammenleben gerade in den Ortsteilen als beispielhaft und als etwas Besonderes herauszustellen.
Wenn wir über die Ortsteile sprechen, dann reden wir (nebenbei bemerkt) nicht über eine kleine Gruppe versprengter Einwohner Ennigerlohs. Wir sprechen von und damit auch für ca. 8000 Einwohner, verteilt auf die drei Gemeinden und damit immerhin mehr als 40% der gesamten Einwohnerzahl der Stadt Ennigerloh. Wenn die Politik das Haushaltssicherungskonzept in der vorgelegten Form verabschieden sollte, entzieht man damit auf einen Schlag fast der Hälfte aller Bürger im Stadtgebiet Ennigerlohs ihre Zukunftsfähigkeit. Mindestens ebenso nachhaltig gestört wird das Vertrauen der Ortsteilbevölkerungen in eben jene Politiker, die sich im Vorfeld der Wahlen im Mai 2014 für die Schulen in den Ortsteilen stark gemacht haben und damit warben sie erhalten zu wollen.
 
Wir fordern Sie hiermit auf: Stehen sie zu ihren Versprechungen!
Über eine weitere Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ braucht dann wohl auch niemand mehr ernsthaft nachzudenken. Junge Generationen bilden nun einmal trefflich im Konzept formuliert das Rückgrat für die zukünftige Entwicklung – fehlen diese jungen Generationen, fehlt das Rückgrat und damit auch die Zukunftsfähigkeit.
Kritiker mögen uns vielleicht Naivität oder das Verschließen der Augen vor der Realität und dem anstehenden demografischen Wandel vorwerfen. Aber das Gegenteil ist der Fall.
 
Wollen wir dem nicht aufzuhaltenden demografischen Wandel auch in Zukunft intakte und lebensfähige Ortsteile entgegenstellen, verbietet sich die Schließung der Grundschulstandorte bereits von selbst. Die Schließung wäre ein Fehler, der bereits im Moment der Verabschiedung nur durch seine Signalwirkung irreparable Schäden an der Infrastruktur der Ortsteile zur Folge hätte. Die sich daraus ergebenden Folgekosten lassen sich nur schwer beziffern, stehen aber aus unserer Sicht in überhaupt keiner Relation zur erhaltenen Einsparung. Man kann doch nicht aus finanzpolitischem Kalkül heraus den Ausverkauf und damit das Ausbluten der Ortsteile billigend in Kauf nehmen.
 
Wir appellieren hiermit eindringlich an SIE ganz persönlich, an alle Vertreter im Rat der Stadt und an alle weiteren politischen Entscheidungsträger: überdenken Sie diesen Entwurf, setzen Sie ein Zeichen für Ihren Entschluss, die Ortsteile auch zukünftig unterstützen zu wollen und bewahren Sie mit dem Erhalt der Grundschulstandorte in Enniger, Ostenfelde und Westkirchen die Chance auf die Zukunftsfähigkeit der Ortsteile und damit auch auf die Zukunftsfähigkeit der Stadt Ennigerloh.

 

Unterschriften

 

 

Für den Arbeitskreis Enniger

 

Für den Förderverein der Grundschule Enniger

 

 

 

Für den Initiativkreis – Dorfentwicklung Westkirchen

 

Für den Förderverein der Grundschule Westkirchen

 

 

 

Für den Arbeitskreis Ostenfelde

 

Für den Förderverein der Grundschule Ostenfelde

 

 

 

 

 

 

 

 

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