Jan 09 2012

Feierlustige Ostenfelder Bürger von der Obrigkeit überwacht

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Ostenfelde (gl). Glaubt man einigen Dokumenten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dann waren die Ostenfelder ein feierlustiges Volk, das jede Gelegenheit, selbst eine traurige, zu exzessivem Genuss von Speisen und Alkohol nutzte. Das Kreisarchiv in Warendorf bewahrt mehrere Akten aus dem alten Amt Beelen mit dem bezeichnenden Titel „Öffentliche Lustbarkeiten und verbotene Spiele“ auf.

Darin befindet sich mit Datum vom 29. Januar 1829 eine Bekanntmachung des Bürgermeisters Moritz Verkrüzen, damals in Personalunion zuständig für Ostenfelde und Freckenhorst. Seit einiger Zeit, so heißt es dort, hätten sich „bei den Beerdigungen in der Gemeinde Ostenfelde wieder verschiedene Missbräuche eingeschlichen“. Deshalb sähe er sich veranlasst, erneut in Erinnerung zu bringen, „dass das Einladen einer großen Anzahl von Verwandten und Freunden zum Leichenbegängnis und das Traktieren derselben nach vollendeter Beerdigung und Totenmesse mit Schnaps, Bier (…) und Butterbroten verboten“ sei. Verstöße gegen diese Anordnung würden in Zukunft mit einer Geldstrafe von zwei Reichtalern zugunsten der Ortsarmenkasse geahndet.

Mit allem Nachdruck setzte der Bürgermeister hinzu: „Die Eingesessenen von Ostenfelde werden daher aufgefordert, diese Bestimmungen pünktlich und bei Vermeidung der festgesetzten Strafe zu befolgen.“ Der Polizeidiener erhielt die Anweisung, das Verhalten der Ostenfelder genauestens zu überwachen und jede Übertretung unverzüglich anzuzeigen, und der Küster musste die Bekanntmachung an zwei Sonntagen beim Gottesdienst zu verlesen.

Bei der Bewertung der uralten Bekanntmachung darf man nicht heutige Maßstäbe anwenden. Sicher würde man herzhaft lachen. Zunächst dürften die Ostenfelder keine anderen Gewohnheiten als die Nachbardörfer gehabt haben. Wegen der kurzen Wege fielen sie jedoch dem Bürgermeister eher auf.

Der Friedhof lag damals noch neben dem kleinen uralten Kirchlein auf dem Margarethenplatz, an dem sich auch die Gaststätten befanden. Zwischen Grab, Kirche und den Gaststätten waren jeweils nur ein paar Schritte zu tun.

Die meisten Menschen in dem kleinen Dorf waren ausgesprochen arm. Dreiviertel von ihnen lebten als Tagelöhner und kleine Kötter. Nur wenige konnten sich eine Bewirtung von vielen Menschen leisten.

Verständlich wird die seltsame Anordnung des Bürgermeisters nur, wenn man berücksichtigt, dass die Obrigkeit in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Menschen noch als unmündige Untertanen betrachteten und sie vor „eigenen schädlichen Trieben und vor Unmoral schützen“ wollten.

 

Quelle: Die-Glocke

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