Aug 27 2016

Ostenfelde erhält die erste Schule, 1673 von der Familie von Nagel gegründet

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Seit sich die Familie von Nagel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Ostenfelde niedergelassen hatte, bereicherte und unterstützte sie die Dorfgemeinschaft durch Stiftungen und Spenden immer wieder. Dietrich Hermann von Nagel, Erbauer von Schloss Vornholz und Begründer der Ostenfelder Linie der Adelsfamilie, ging mit gutem Beispiel voran: Er rief die erste Schule in Ostenfelde ins Leben.

In der ersten Hälfte des Jahres 1673 hatte er militärische Erfolge erzielt, war durch Beförderung zum Oberkommandierenden aller münsterischen Truppen auf dem höchsten Punkt seiner Karriere angelangt und hatte auch gute finanzielle Einnahmen erzielt. Daran ließ er nun auch die Ostenfelder teilhaben. Er stiftete eine Schule und ließ für 200?Reichstaler, einer für damalige Verhältnisse recht stattlichen Summe, im Dorf ein Armen- und Schulhaus erbauen, „so dass die Armen unten wohnen und die Schule oben gehalten werden kann“.

Dietrich Hermann von Nagel kam damit auch einer Verfügung des Fürstbischofs nach, dem die Verbesserung des Schulwesens ein besonderes Anliegen war. Da es noch keine Schulpflicht gab und Kinder auch als Arbeitskräfte benötigt wurden, weiß man nichts über den Schulbesuch. Er scheint aber recht gut gewesen zu sein, denn einige Jahrzehnte später wurde von rund 100 Schulkindern in Ostenfelde berichtet.

Um 1800 beschrieb Medizinprofessor Ferdinand August von Ritgen, der mehrere Jahre in Ostenfelde gelebt hatte, die Situation in der Schule: „Der Saal war in zwei gegeneinander ungetrennte Hälften geschieden, in der am Eingang befindlichen saßen die Mädchen, in der anderen die Buben. Der Sitz des Schullehrers stehend in der Mitte dieser beiden Abteilungen.“ Später kam ein weiterer Klassenraum hinzu.

Dass die Schule recht erfolgreiche Arbeit geleistet hat, beweist eine Bemerkung des Pfarrers Altcappenberg fast 200 Jahre später: „Die Schule und Besetzung derselben mit tüchtigen Lehrern haben in wissenschaftlicher so wie in sittlicher Hinsicht viel bewirkt, auch zeigt sich in der hiesigen Gemeinde ein wahrer religiöser Sinn, der sich mit jedem Jahre noch vermehrt.“

Mit einem Schulhaus aber war es nicht getan. Weil ausgebildete Lehrer fehlten, setzte man an vielen Orten sogenannte Schulvikare ein. Diese hatten während ihrer Ausbildung genügend Grundkenntnisse für die damalige Zeit erworben.

 

Der Erbauer von Schloss Vornholz in Ostenfelde, Dietrich Hermann von Nagel, stiftete 1673 eine Schule für Ostenfelde. Er ließ für 200 Reichstaler, einer für damalige Verhältnisse recht stattlichen Summe, im Dorf ein Armen- und Schulhaus erbauen.

 

Bild: Hermann von Nagel

 Vikare übernehmen den Unterricht

Zur Finanzierung der Stelle eines solchen geistlichen Lehrers ergänzte Dietrich Hermann von Nagel daher noch im selben Jahr 1673 den Schulbau durch die Stiftung der Schulvikarie St. Johannes Baptist. Allerdings waren die Einkünfte daraus so spärlich, dass davon niemand leben konnte. Weitere Spender, darunter vor allem die Kinder und Enkel des Dietrich Hermann von Nagel, kamen hinzu. Auch der Pfarrer und einige Ostenfelder Bauern halfen. Das aber reichte immer noch nicht. Eine weitere Liste führt dann viele auch heute noch bekannte Ostenfelder Namen auf, die selbst nicht viel hatten und nur winzige Beträge jährlich spenden konnten. Offenbar war ihnen die Schule sehr wichtig. Die Spender handelten nur selten uneigennützig. Ihre Zuwendungen waren oft mit der Verpflichtung für den Schulvikar verbunden, jährlich an einem festgelegten Tag eine Messe für das Seelenheil des Spenders zu lesen. Um 1800 hatte der Schulvikar immerhin 195 solche Messen zu feiern. Nach dem Tod des letzten Schulvikars war kein Nachfolger mehr zu bekommen. An seine Stelle traten ausgebildete und vom Staat bezahlte Lehrer. Walter Tillmann

 

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