Jul 12 2009

Namen im Taufregister zu lesen

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Mit Sicherheit hat auch General Christoph Bernhard von Nagel auf dem Balkan gekämpft. Er muss sich 1688 dort aufgehalten haben. Die christlichen Truppen hatten kurz zuvor Budapest erobert und bewegten sich donauabwärts in Richtung Belgrad. Von dort brachte Christoph Bernhard nachweislich zwei „türkische“ Mädchen mit. Das Taufregister der Pfarrei St. Margaretha in Ostenfelde enthält dafür einen klaren Beweis. Der damalige Pfarrer Theodor Höckelmann hat unter dem 10. Oktober 1688 in lateinischer Sprache eingetragen: „Getauft wurden die ehemaligen Mohamedanerinnen Maria Francelina Josina […] und Christina Isabella Ludovika“. Als Paten fungierten enge Verwandte von Christoph Bernhard von Nagel. Leider erfahren wir nichts über Alter und Herkunft der Mädchen. Wir wissen auch nicht, ob es sich um Geschwister handelte und ob ihre Eltern wirklich nicht mehr lebten. Bei dem Begriff „türkisch“ handelt es sich wahrscheinlich um eine Bezeichnung für ihre Religionszugehörigkeit. Man darf annehmen, dass die Mädchen nicht aus Anatolien stammten, sondern Angehörige einer der vielen Volksgruppen auf dem Balkan waren. Aber das ist reine Spekulation.
Das weitere Schicksal der Maria Francelina lässt sich mit Hilfe der Westkirchener Kirchenregister nachvollziehen. Sie heiratete im Februar 1700 den Landwirt Adolf Schulenburg und brachte Ende des Jahres einen Sohn zur Welt. Er erhielt den Namen Christoph Bernhard, und der tolle General persönlich übernahm die Patenschaft. Über das zweite Mädchen schweigen die Register. Es soll in Ostenfelde auf den Hof Große Kersting geheiratet haben. Christoph Bernhard von Nagel hat also eindeutig zwei muslimische Mädchen nach Ostenfelde mitgebracht. Dieser Teil der Geschichte ist keine Legende, sondern historische Tatsache. Im Übrigen war der tolle General nicht der einzige Offizier, der vom Balkan junge Menschen als „türkische Waisenkinder“ nach Westfalen mitbrachte. Es hat zwischen 1680 und 1700 an verschiedenen Orten solche „Türkentaufen“ gegeben.

Nagel1

Das Porträtzeigt sehr wahrscheinlich den General Christoph Bernhard von Nagel.

Nagel2

Der Komtur des Deutschen Ritterordens,Georg Levin von Nagel, mit einem Kammermohren

Quelle: Tageszeitung “Die-Glocke”

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