Jul 12 2009

Wer war der Läufer?

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Bleibt die Frage nach dem farbigen Jungen, dem späteren Diener. Über ihn schweigen die Kirchenregister. Er wurde keinesfalls zusammen mit den Mädchen und auch nicht zu einem früheren oder späteren Zeitpunkt allein in St. Margaretha getauft. Er kann also nicht, wie die Legende sagt, zusammen mit den Mädchen nach Ostenfelde gekommen sein.  Drei weitere Indizien werden zum Beweis seiner Existenz angeführt: Im Schloss Vorholz befindet sich ein Porträt, von dem ein Kunstführer aus dem Jahre 1936 behauptet, es handele sich um ein „Bildnis des Christoph Bernhard von Nagel, genannt ,der tolle General‘. Im Hintergrunde ein Negerknabe als Page.“
Letzterer, so glaubte man lange, sei der Läufer des Generals. Das Porträt trägt zwar die Aufschrift „Christoph Bernhard von Nagel“, man weiß aber inzwischen, dass diese erst rund 150 Jahre später angebracht wurde und falsch ist.
Der Dargestellte trägt das Brustkreuz eines Komturs des Deutschen Ritterordens. Damit handelt es sich eindeutig nicht um den tollen General, sondern um seinen Bruder Georg Levin, der nachweislich diesem Orden angehörte. Er war ebenfalls General, und auch er kämpfte in den Türkenkriegen.
Der Irrtum wurde inzwischen mehrfach von der Wissenschaft korrigiert. Auch der dargestellte Negerknabe lässt sich leicht erklären. Es entsprach der Mode der Zeit, sich zusammen mit einem damals sogenannten Kammermohren malen zu lassen, um die eigene Bedeutung optisch herauszustellen.
Das Gemälde scheidet also als Beweis aus. Es hat mit dem gesuchten „türkischen“ Jungen nichts zu tun.

Siegel

Unterschrift und Siegel unter dem Testamentdes Generals Christoph Bernhard von Nagel. Darin bestimmte dieser, dass der „Läufer“ als sein treuer Diener neben ihm in der Gruft beigesetzt werden sollte.

Quelle: Tageszeitung “Die-Glocke”

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