Jul 12 2009

Spur führt nach Oelde, zu Reitersoldat Peter Lavardy

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In Oelde erzählt man sich, der „Läufer“ des Generals habe mit einer auf Schloss Vornholz beschäftigten jungen Oelderin ein Kind gezeugt. Im Taufregister der Pfarrei St. Johannes Baptist ist tatsächlich die Taufe eines illegitimen Sohnes der Gertrud Frie mit Namen Gerhard dokumentiert.

Der Vater hieß Peter Lavardy und war „Reitersoldat unter dem Kommandeur von Nagel“. Allerdings passen hier die Daten nicht. Gertrud Frie brachte ihren Sohn schon im August 1684 zur Welt, vier Jahre vor der Ankunft der beiden Mädchen. Wer Peter Lavardy war, ist ebenfalls nicht bekannt. Sein Name stammt wahrscheinlich aus dem französischen Sprachbereich. Eine Verbindung zu dem farbigen Jungen vom Balkan lässt sich nicht herstellen.
Die Verknüpfung der beiden Geschichten aus Ostenfelde und Oelde dürfte sich bei der mündlichen Weitergabe der Erzählungen entwickelt haben. Für den zu allen Zeiten und überall üblichen Tratsch passten die Geschichten wunderbar zusammen.
Bleibt als letzte Möglichkeit für einen Nachweis des „türkischen“ Jungen der Hinweis auf die angebliche testamentarische Bestimmung des Generals Christoph Bernhard von Nagel. Das Testament befindet sich im Archiv des Hauses Vonholz.
Darin wird jedoch der „Läufer“ mit keinem Wort erwähnt. In der Grablege der Familie von Nagel trägt das Grab Nummer 3 die Aufschrift: „Läufer des tollen Generals, dessen treuerster Diener, weshalb sein Herr bestimmte, er solle neben ihm in der Gruft beigesetzt werden.“ Von einem Testament ist also keine Rede. Die erwähnte Bestimmung konnte bisher in den Archiven nicht gefunden werden. Christoph Bernhard von Nagel starb 1727. Über das Todesdatum des geheimnisvollen „Läufers“ liegen keine Erkenntnisse vor.
Weder das Sterberegister der Kirchengemeinde noch das umfangreiche Archiv im Schloss Vornholz enthält Hinweise. Christoph Bernhard und sein geheimnisvoller „Läufer“ wurden in der Familiengruft an der alten Pfarrkirche auf dem Margarethenplatz bestattet. Erst rund 130 Jahre später brachte man die Toten in die heutige Grablege. Die Schilder stammen nachweislich nicht aus der Zeit der Bestattung, sondern wurden erst zum Zeitpunkt der Überführung oder kurz vorher angebracht.
Ob es den farbigen „türkischen“ Jungen wirklich gegeben hat, darf bezweifelt werden. Seine Existenz bleibt vielleicht für immer ein Rätsel.

Walter Tillmann

Grab

In den Gräbern mit den Nummern 5 und Nummer 3 ruhen Christoph Bernhard von Nagel und sein „Läufer“.

Quelle: Tageszeitung “Die-Glocke”

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